Das weibliche Prinzip in der Wirtschaft - Warum Verbundenheit und Effizienz keine Gegensätze sind

Das weibliche Prinzip in der Wirtschaft - Warum Verbundenheit und Effizienz keine Gegensätze sind

Neulich fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Es war ein Gedanke, der schon lange durch meinen Kopf schwirrte. Immer wieder tauchte er auf – wie Wolken am Himmel: sichtbar, aber nicht greifbar.

Ich habe das Gefühl, dass wir dringend eine andere Ausrichtung brauchen. Ein neues Gleichgewicht in unserer Wirtschaft und in der Art, wie wir Arbeit, Erfolg und Entwicklung betrachten.

Dabei denke ich an das Zusammenspiel von weiblichen und männlichen Prinzipien. Mit weiblichen Prinzipien meine ich Gemeinschaftssinn, Fürsorge, Intuition und Verbundenheit. Männliche Prinzipien stehen dabei für Klarheit, Struktur, Analyse und Fakten.

Damit meine ich nicht Eigenschaften von Frauen oder Männern, sondern Qualitäten, die in jedem Menschen vorhanden sind.

Beides ist wichtig. Und beides wird gebraucht.

Doch in unserer Wirtschaft haben die männlichen Prinzipien über viele Jahrzehnte den Ton angegeben. Höher, schneller, effizienter. Mehr Wachstum, mehr Leistung, mehr Gewinn.

Ich habe den Eindruck, dass wir damit an eine Grenze gekommen sind.

Denn jetzt geht es nicht mehr nur um Prozesse und Ergebnisse. Jetzt geht es an die Substanz. An die Essenz. An den oft unbeachteten Schatz: den Menschen.

Vieles funktioniert noch, aber oft nur deshalb, weil wir es mit großem Aufwand aufrechterhalten. Vieles wirkt stabil, ist jedoch längst brüchig geworden.

In meiner Arbeit beschäftige ich mich vor allem mit den menschlichen Faktoren. Mit Zugehörigkeit, Verständnis, Integration und Beziehungen. Doch immer wieder erlebe ich, dass diese Themen erst dann ernst genommen werden, wenn sie sich mit Zahlen, Daten und Fakten belegen lassen.

Dabei wissen wir längst, dass Menschen mehr brauchen als Jobvorteile und ein gutes Gehalt.

Umso mehr ein Mensch, der seine Heimat verlässt, um in einem fremden Land neu anzufangen.

Er braucht Zugehörigkeit.

Er braucht Orientierung.

Er braucht Menschen, die ihn ein Stück auf seinem Weg begleiten.

Wer tausende Kilometer von seiner Familie entfernt lebt, bringt seine eigene Geschichte mit. Herausforderungen, die bereits bewältigt wurden. Hoffnungen auf eine bessere Zukunft. Sehnsucht nach Vertrautem. Freude, Zweifel, Mut und manchmal auch Einsamkeit.

Kaum jemand denkt darüber nach, was es bedeutet, im Schichtdienst zu arbeiten und gleichzeitig Vater oder Mutter von Kindern zu sein, die auf einem anderen Kontinent leben. Durch die Zeitverschiebung finden die Videotelefonate oft sehr früh am Morgen oder spät in der Nacht statt. Es ist ein ständiger Spagat zwischen der Verantwortung, die Familie finanziell zu versorgen, und dem Herzenswunsch, wenigstens ein wenig am Leben der eigenen Kinder teilhaben zu können.

Wenn wir möchten, dass Menschen ihr Potenzial entfalten, müssen wir bereit sein, mehr zu sehen als Qualifikationen, Dienstpläne und Statistiken.

Wir brauchen ein neues Bewusstsein dafür, dass Menschlichkeit eine der wichtigsten Grundlagen für nachhaltigen Erfolg ist.

Nicht alles, was wichtig ist, lässt sich messen.

Nicht alles, was wirkt, erscheint in einer Statistik.

Und nicht alles, was Menschen stärkt, kann in Zahlen ausgedrückt werden.

Vielleicht ist es an der Zeit, die weiblichen Prinzipien als gleichwertig anzuerkennen. Nicht als Gegenpol zur Wirtschaft, sondern als notwendige Ergänzung und wichtiger Teil davon.

Wir sollten aufhören, Menschlichkeit erst dann anzuerkennen, wenn sie sich finanziell rechtfertigen lässt.

Gemeinschaftssinn, Intuition und Menschlichkeit sind keine Gegenspieler von Erfolg. Sie sind die Grundlage für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, Organisationen und letztlich unserer Gesellschaft.

Vielleicht sind genau sie die Kompetenzen, die wir am dringendsten brauchen, um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

 

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