Der stille Preis der Migration - wenn Pflegekräfte ihre Heimat zurücklassen

Der stille Preis der Migration - wenn Pflegekräfte ihre Heimat zurücklassen

Die Pflege in Vollzeit mit Wechsel-, Wochenend- und Nachtdiensten ist ohnehin schon ein Knochenjob.
Wo wären wir ohne all die Menschen, die diese Arbeit jeden Tag leisten?

Bei internationalen Pflegefachkräften kommt oft noch etwas ganz anderes hinzu.

Da sitzt eine Mutter vor mir, mit Tränen in den Augen, und sagt:
„Ich vermisse den Duft meines Sohnes.“

Das Kind ist gerade einmal zwei Jahre alt.

Erst wenn ihre berufliche  Anerkennung abgeschlossen ist und sie sich eine Wohnung leisten kann, können ihr Mann und ihr Kind nachkommen.

Oder die Pflegefachkraft, die in ihrem Heimatland studiert und einen Master gemacht hat — und hier Schicht für Schicht arbeitet, fleißig, zuverlässig und freundlich bleibt.
Sie erzählt mir, dass sie im letzten Monat zum Glück einige Dienste tauschen konnte, weil das Heimweh nach ihrer Tochter sie regelrecht gelähmt hat.
Das Herz habe so wehgetan, dass sie sich kaum bewegen konnte.

Und trotzdem macht sie weiter.

Sie arbeitet an einer besseren Zukunft für sich und ihr Kind.

Ihr Großvater sagte immer:
Wenn das Leben einmal schwer ist, hilft manchmal der lange, ruhige Blick auf einen Berg, um wieder in die eigene Mitte zurückzufinden.

Ihre Mutter, bei der das Kind derzeit lebt, sagt ihr:
„Mit der Zeit wirst du dich daran gewöhnen.“

Zwischen Mutter und Tochter liegen fast 9000 Kilometer Luftlinie.

Und trotzdem sprechen viele internationale Pflegekräfte auch über die positiven Seiten ihrer Entscheidung.
Über neue Möglichkeiten.
Über Chancen.
Über Wachstum.

Natürlich kann das Fremde anfangs erdrückend wirken. Doch mit besseren Sprachkenntnissen, ersten Kontakten und einem Gefühl von Orientierung beginnen viele Menschen langsam anzukommen.

Das ist für mich ein wichtiger Aspekt in der interkulturelle Beratung im Pflegealltag.

Denn Menschen brauchen mehr als eine Einarbeitung und Sprachkenntnisse.

Sie brauchen Zugehörigkeit.

Wer nach acht Monaten nur die Station, den Supermarkt und vielleicht noch das Fitnessstudio kennt — und sich ansonsten aus innerer Erschöpfung zurückzieht — wird irgendwann dorthin gehen, wo soziale Verbindung und echtes Ankommen möglich sind.

Der Preis der Migration ist oft hoch.

Und gerade deshalb lohnt es sich für Arbeitgeber zu verstehen, was Menschen brauchen, um nicht nur zu kommen — sondern auch zu bleiben.

Zurück zum Blog