Was passiert, wenn etwas passiert?

Was passiert, wenn etwas passiert?

Niemand beschäftigt sich gerne mit der Frage, was passiert, wenn plötzlich ein Unfall geschieht oder man unerwartet ins Krankenhaus muss. Und doch ist es ein Thema von großer Bedeutung. Vor allem jedoch für internationale Pflegefachkräfte.

Der Weg nach Deutschland ist lang. Monate oder sogar Jahre investieren internationale Pflegefachkräfte in Sprachkurse, Anerkennungsverfahren und Vorbereitungen. Sie kommen mit dem Wunsch nach einer besseren Zukunft und beginnen hier ein völlig neues Leben.

Dann ist plötzlich alles anders.

Eine neue Sprache. Neue Kolleginnen und Kollegen. Neue Arbeitsabläufe. Eine fremde Kultur. Ein neues Zuhause. Heimweh. Die Sehnsucht nach Familie und Freunden.

In dieser Zeit denkt kaum jemand darüber nach, was passiert, wenn plötzlich etwas passiert.

Dabei muss es gar nicht das Schlimmste sein.

Vielleicht passiert ein Verkehrsunfall. Vielleicht ist eine Blinddarmoperation notwendig. Vielleicht fällt jemand durch eine schwere Erkrankung für einige Wochen aus oder muss unerwartet ins Krankenhaus.

Erst vor kurzem fragte ich eine alleinerziehende internationale Pflegefachkraft, was eigentlich passieren würde, wenn ihr etwas zustößt.

Wer holt das Kind vom Kindergarten ab?

Sie schaute mich etwas erschrocken an.

Darüber hatte sie noch nie nachgedacht.

Und genau das ist verständlich.

Wer mit der Organisation eines kompletten Neuanfangs beschäftigt ist, denkt selten an Notfallsituationen.

Doch genau dann stellen sich plötzlich viele Fragen.

Wer darf Entscheidungen treffen?

Wer wird vom Krankenhaus informiert?

Wer kümmert sich um das Kind?

Wer besitzt die Kontaktdaten der Familie?

Wer erklärt den Angehörigen überhaupt, was passiert ist?

Gerade bei internationalen Pflegefachkräften kommen weitere Herausforderungen hinzu. Oft lebt die engste Familie tausende Kilometer entfernt. Manche Angehörige benötigen ein Visum, um nach Deutschland reisen zu können. Nicht jede Familie kann kurzfristig mehrere Flugtickets bezahlen. Gleichzeitig gelten wahrscheinlich in Deutschland rechtliche Regelungen, die sich deutlich von denen im Herkunftsland unterscheiden. Was dort selbstverständlich wäre, ist hier möglicherweise gar nicht vorgesehen.

Besonders deutlich wird dies bei alleinerziehenden Eltern.

Niemand möchte sich vorstellen, dass ein Kind plötzlich ohne seine Mutter oder seinen Vater in einem fremden Land zurückbleibt. Gerade deshalb ist es wichtig, rechtzeitig Vorsorge zu treffen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • eine schriftlich festgelegte Notfallkontaktperson
  • geklärte Absprachen zur Betreuung des Kindes
  • Informationen darüber, ob das Kind vorübergehend in Deutschland betreut oder zur Familie ins Heimatland reisen soll
  • wichtige Telefonnummern
  • Kopien wichtiger Dokumente – möglichst auch in deutscher Sprache
  • Kontaktdaten der Angehörigen

Vorsorge bedeutet nicht, vom Schlimmsten auszugehen.

Vorsorge bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, solange man selbst entscheiden kann.

Auch internationale Mitarbeitende ohne Kinder profitieren von solchen Regelungen. Wer soll im Notfall informiert werden? Wer kümmert sich um persönliche Angelegenheiten? Wer weiß überhaupt, wen man kontaktieren muss?

Mit einfachen Strukturen lässt sich vieles vermeiden.

Deshalb ist dieses Thema ein fester Bestandteil meines Integrationskonzepts. Gemeinsam mit internationalen Mitarbeitenden sprechen wir über Vorsorge, klären offene Fragen und schaffen Sicherheit – nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.

Denn gute Integration bedeutet auch, für die Momente vorbereitet zu sein, von denen wir alle hoffen, dass sie niemals eintreten.

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